Barfuss im Netz

Ausgehend von der Projekt-Motivation haben wir uns dem Thema “Kinder und Jugendliche in Anbetracht der Internetnutzung zu sensibilisieren” gewidmet. Somit entstand im Rahmen der LVA “Webwissenschaftliches Projekt 2” die Idee und das Konzept für Lernplattform “Barfuß im Netz” (anfangs “Netzkills”). Die tatsächliche Umsetzung der mobilen Web-Lernanwendung sowie der dazugehörige Workshop erfolgten dann in der LVA “Webwissenschaftliches Projekt 3”.

Projekt-Team

  • Susanne Groiss
  • Anica Nacova
  • Marian Limberger
  • Thomas Sacher

Projekt-Motivation

Nicht selten sind Kinder und Jugendliche heutzutage ihren Eltern in Sachen Computer, Smartphone und Internet weit voraus. Sie bewegen sich von klein auf in der digitalen Welt genauso selbstverständlich wie in der realen Welt. Laut einer Basisstudie mit dem Namen “Jugend, Information, (Multi-) Media” zur Mediennutzung von 12- bis 19-Jährigen nutzen Jugendliche neben klassischen Informationsmedien wie Fernsehen, Radio und Tageszeitung vor allem das Internet als Informationsmedium. Auch bereits Kinder in dem Alter von sechs bis sieben Jahren bewegen sich im Internet. 90 Prozent der 12- bis 13-Jährigen sehen Computer und das Internet als Mittel zur Wissensvermittlung, und z.B. für Hausaufgaben. Das Internet gewinnt Vertrauenspunkte, während Radio und Fernsehen an Glaubwürdigkeit verlieren. Ein Drittel der surfenden Teenager bis 13 Jahren nutzen vorrangig das Internet, um sich selbst über Nachrichten und aktuelle Meldungen zu informieren.

Umso wichtiger ist es, Kinder und Jugendliche rechtzeitig für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Technologie “Internet” zu sensibilisieren. Schon unsere Kleinsten sollen den Umgang mit dem Internet erlernen, um sich vor den Gefahren im Internet zu schützen und um beim verantwortungsvollen Surfen zu unterstützen.

Neun Dimensionen der Medienkompetenz

Der Begriff “Medienkompetenz” wurde in den 1970er Jahren erstmals durch den Erziehungswissenschaftler und Medienpädagogen Dieter Baacke erwähnt. Das Konzept der Kompetenz kommt aus der Linguistik und beschreibt grundsätzlich die Fähigkeit, eine Sprache zu sprechen und zu verstehen. Denn auch wie beim Erlernen einer Sprache geht es laut Dieter Baacke bei der Vermittlung von Medienkompetenz “nicht darum, einfach eine Reihe von technischen Fertigkeiten zu lernen, um z. B. einen Computer oder ein Handy verwenden zu können. Es geht vielmehr auch darum, das Lernen zu lernen, um sich neue Fähigkeiten und neues Wissen im Bereich Medien selbst zu erschließen.” Dabei ist es wichtig, die eigene Mediennutzung zu reflektieren und die Entwicklungen im Bereich Medien kritisch zu hinterfragen.

Der Professor Dieter Baacke (2001) gliedert Medienkompetenz in vier grundlegende Dimensionen: Medienkritik, Medienkunde, Mediennutzung und Mediengestaltung. Diese wurden von Baumgartner et al. (2015) um weitere Dimensionen der heutigen digitalen Kompetenz, ergänzt:

  • Kenntnisse über Digitale Medien (Medien-Kunde)
  • Fertigkeiten bei der Anwendung zum Zwecke der Problemlösung (Medien-Nutzung)
  • Kommunikation (Medien-Kommunikation)
  • Informationsmanagement (Medien-Informatik)
  • Gesellschaftskritische Haltung (Medien-Kritik)
  • Medienvermitteltes interaktives Lernen (Medien – Didaktik)
  • Produzieren und Gestalten (Medien – Gestaltung)
  • Sozial verantwortlicher Umgang mit Medien (Medien-Ethik)
  • Aktiver, kritischer, bewusster, selektiver und produktiver Umgang (Medien-Erziehung)

Mit der Digitalisierungsstrategie „Schule 4.0. – jetzt wird’s digital“ des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung sollen alle Schülerinnen und Schüler in Österreich digitale Kompetenzen erwerben und lernen, sich kritisch mit digitalen Inhalten auseinanderzusetzen – von Medienkompetenz über kritischen Umgang mit Informationen und Daten, Sicherheit im Netz hin zu Wissen über Technik, Coding und Problemlösung.

Die Ausrollung der digitalen Strategie hat bereits im Schuljahr 2017/18 gestartet. Die stufenweise Umsetzung der digitalen Grundbildung in der Primarstufe und Sekundarstufe I startet dann mit einem Piloten an innovativen Schulen des eEducation-Netzwerks und soll bis 2023 in weiteren Schulen ausgeweitet werden.


Säule 1: Digitale Grundbildung an der Volksschule

    • Der Schwerpunkt liegt auf der dritten und vierten Schulstufe. SchülerInnen sollen nach Abschluss der Volksschule über erste digitale Grundkompetenzen verfügen und diese anwenden können.

Säule 2: Digital kompetente PädagogInnen

    • Voraussetzung sind gut ausgebildete Pädagoginnen und Pädagogen, die digitale Medien wirksam in ihrem Unterricht einsetzen

Säule 3: Infrastruktur und IT-Ausstattung

    • Internetzugang in Klassenräumen

Säule 4: Digitale Lerntools

    • Eduthek als ein Portal für kostenlose digitale Lehr- und Lernmaterialien
    • Angebot an Lehr- und Lernmaterialien, wie pädagogisch empfohlene Apps und Spiele sowie innovative Tools für moderne Unterrichtsformate umfassen.

 

Projekt-Ziele

Im Workshop “Barfuß im Netz” sollen Kinder und Jugendliche Medienkompetenzen erlernen, um Inhalte des Internets kritisch bewerten zu können und reflektiert über mögliche Gefahren nachzudenken. Der Workshop wird unterteilt in zwei Module, dabei soll eine mobile Web-Lernanwendung (Moodle) als Vorbereitungslektüre und interaktive Lern-Unterstützung zum Einsatz kommen. In Form von Gruppenarbeiten, gemeinsamen Diskussionen und Fallbeispielen widmen sich die Kinder und Jugendlichen aktuellen Fragestellungen und den verbundenen Risiken beim Surfen im Internet. Neben dem trockenen Theorieteil der Themeneinführung soll der Workshop einen interessanten, praxisorientierten und vor allem spielerischen Lernfortschritt fördern.

 

Ziele des Workshops

Das Ziel des Workshops ist es Jugendliche im Alter von 10 bis 15 Jahren zu einer kritischen Auseinandersetzung mit den Inhalten des Internets zu bewegen. Die Jugendlichen sollen danach selbstständig und reflektiert über mögliche Gefahren und Risiken im Internet nachdenken und entscheiden können.

Es ist erklärtes Ziel, nicht über aktuelle Gefahren im Speziellen aufzuklären, sondern die Kinder und Jugendlichen zu einer reflektierten Analyse verschiedenster Informationen und Angebote im Netz zu erziehen, welche diese dann auch in ihrem weiteren Online-Leben nutzen können.

 

Umfang des Workshops

Der Workshop gliedert sich in zwei Module. Modul 1 legt den Schwerpunkt auf den Umgang mit persönlichen Daten im Internet. Die TeilnehmerInnen lernen unter anderem, welche Spuren sie im Internet hinterlassen und wer ein Interesse an diesen Daten hat. Modul 2 widmet sich dem Thema Phishing, Spam, Sicherheitslücken und Schadprogrammen. Die Jugendlichen beschäftigen sich mit den Risiken und wie sie sich vor Malware oder Phishing schützen können.

  • Dauer: 3 – 5 Stunden
  • Inhalt: In Form von Gruppenarbeiten, Fallbeispielen, Recherche-Aufgaben im Internet und Quiz erkunden die Jugendlichen die wichtigsten Aspekte des gemeinsamen Umgangs mit Informationen und Daten im Internet. Sie überlegen und erforschen, welche Datenspuren sie im Internet hinterlassen und wie sie sich sicher im Netz bewegen.
  • Unsere Lernplattform ist online unter barfuss.idb.edu erreichbar.
1. Modul: Datenspuren im Netz
  • Datenschutz und personenbezogene Daten
  • Welche Daten werden im Internet gesammelt?
  • Wo werden Daten gesammelt? (Soziale Netzwerke, Suchmaschinen, Besuch von Webseiten, Digitale Kommunikation)
  • Wie funktioniert das Datensammeln? (Tracking Tools, Cookies, Pixel, etc.)
  • Privatsphäre und Kontrolle über meine Daten im Internet
  • Wie kann ich meine persönlichen Daten schützen?
2. Modul: Phishing, Spam & Co
  • Welche Risiken und versteckte Gefahren gibt es im Netz?
  • Passwort-Sicherheit und Hilfestellungen für ein sicheres Passwort
  • Viren, Malware, Trojaner, Phishing, Hacker, Datenklau, Spam, etc.
  • Mobile Betriebssysteme – Android, iOS vor Schadsoftware schützen
  • Wie kann ich Risiken verhindern?

 

Projekt-Praktikum

Im Zuge des Projektpraktikums hat sich das Projektteam folgende Ziele gesetzt:

  • Konzeption eines Workshops basierend auf einer Lernanwendung mit 2 Modulen und Themenbereichen
  • Entwicklung einer mobilen Web-Lernanwendung auf Basis der Software Moodle
  • Testdurchlauf und Durchführung eines Workshops an der KinderUni 2019 am 8. Juli 2019 mit Unterstützung der in Moodle entwickelten Lernanwendung.

 

Lernanwendung

Moodle ist ein Software-Paket, um internet-basierte Kurse zu entwickeln und durchzuführen. Ziel war es eine kinderfreundliche Lernplattform mit der Software Moodle zu entwickeln, die folgende Funktionen bereitstellt:

  • Überblick zu den Modulen und Themen
  • Unterrichtsmaterialien und Theorieteile
  • Zusätzliche Anschauungsmaterialien
  • Weiterführende Links
  • Anwendungsbeispiele
  • Interaktive Aufgaben und Quiz

 

 

 

Kinder-Uni 2019

Am 8. Juli 2019 gab es einen ersten Testdurchlauf und Workshop “Barfuß im Netz” an der KinderUni Linz an der JKU mit SchülerInnen im Alter von 10 bis 15 Jahren. Die KinderUni gibt es seit 2002. Dort werden den Kindern Lehrveranstaltungen an mehr als 50 Universitäten und Fachhochschulen angeboten, die Wissenschaft einfach und verständlich vermitteln sollen, um ihnen einen Einblick in den Uni-Alltag zu gewähren.

Tagesablauf

  • Vorbereitung des Seminarraums
  • Letzter Funktionstest
  • Kinder werden im Science Park abgeholt
  • Einteilung in Gruppen mit gemischten Altersklassen
  • Erklärung des Tagesablaufs und der Moodle-Anwendung
  • Moodle-Präsentation Modul 1
  • Zwischendurch eine 15 minütige Pause
  • Moodle-Präsentation Modul 2
  • Auswertung der Punkte und Preisverleihung
  • Evaluierungsbogen
  • Verabschiedung und Mittagessen

Schreib uns unter barfussimnetz@gmail.com oder hinterlasse auf dieser Seite einfach einen Kommentar.

 

Literatur:

Baacke, Dieter (2001): Medienkompetenz als pädagogisches Konzept. In: Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK) (Hrsg.): Medienkompetenz in Theorie und Praxis. Broschüre im Rahmen des Projekts „Mediageneration – kompetent in die Medienzukunft”.

Baumgartner, et al. (2015): Medienkompetenz fördern – Lehren und Lernen im digitalen Zeitalter. Nationaler Bildungsbericht 2015. https://www.bifie.at/wp-content/uploads/2017/05/NBB_2015_Band2_Kapitel_3.pdf (zuletzt aufgerufen am 03.12.2019)

Bundesminiterium für Bildung, Wissenschaft und Forschung (2018): https://bildung.bmbwf.gv.at/schulen/unterricht/uek/medien.html (zuletzt aufgerufen am 03.12.2019)

JIM Studie (2017): Basisstudie zum Medienumgang 12- bis 19-Jähriger in Deutschland. Jugend, Information, (Multi-) Media. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest, https://www.mpfs.de/fileadmin/files/Studien/JIM/2017/JIM_2017.pdf (zuletzt aufgerufen am 05.12.2019)

KIM Studie (2018):  Basisuntersuchung zum Medienumgang 6- bis 13-Jähriger in Deutschland. Kindheit, Internet, Medien. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest, https://www.mpfs.de/fileadmin/files/Studien/KIM/2018/KIM-Studie_2018_web.pd. (zuletzt aufgerufen am 03.12.2019)

Medienkompetenz Portal NRW: Begriffsbestimmung Medienkompetenz: Was ist Medienkompetenz? https://www.medienkompetenzportal-nrw.de/grundlagen/begriffsbestimmung.html (zuletzt aufgerufen am 02.12.2019)

Süss, D. et al. (2018): Medienkompetenz: Bildungsaufgabe und Zielkategorie. In Medienpädagogik, 3. Auflage, pp 105-125.

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