Web, Demokratie und Governance

Im Rahmen dieses Seminars habe ich mich im Sommersemester 2015 mit der virtuellen politischen Beteiligung von BürgerInnen in den sozialen Netzwerken auseinandergesetzt. Dazu habe ich die Facebook-Postings von den Grünen Oberösterreich und der SPÖ Oberösterreich analysiert. Entschieden habe ich mich für diese beiden Parteien, da sie ähnliche Inhalte in diesem Zeitraum veröffentlicht haben.

Um die Beiträge zu analysieren, habe ich ein Framework erstellt in welches ich die Anzahl der Beiträge und eine Kurzbeschreibung davon vom Monat April 2015 eingefügt und ausgewertet habe. Hierfür habe ich die Interaktion der Facebook Fans bei allen Beiträgen des Monats auf folgendes überprüft:

  • Likes
  • Shares
  • Kommentare

Ausgehend von diesen drei Komponenten habe ich dann den Durchschnitt für alle Beiträge bezüglich Likes, Shares und Kommentare errechnet. Im nächsten Schritt wurde die Aktivität pro Beitrag und User prozentual errechnet. Um einen aussagekräftigen und strukturierten Überblick zu bieten habe ich ebenfalls noch die Engagement Rate berechnet.
Zum Erhebungszeitpunkt können die Grünen Oberösterreich 9.420 Fans auf ihrer Facebook Seite vorweisen. Insgesamt hat die Partei 26 Beiträge im Monat April verfasst. Davon war das meiste Bildmaterial. Im Schnitt erhielt ein Beitrag 77 Likes. Alle Likes des Monats zusammengezählt und durch die Beiträge dividiert ergeben sich auf die GesamtuserInnenzahl bezogen 0,81% an Aktivität pro Beitrag.
Der beliebteste Beitrag erhielt 268 “gefällt mir” während der mit den wenigsten nur 9 erhielt. Um viele Leute zu erreichen sind auch die Shares pro Beitrag von sehr großer Bedeutung. Denn so werden nicht nur die Personen erreicht, die die Seite der Grünen liken, sondern auch jene die nur mit den Fans der Seite befreundet sind. Hier weisen die UserInnen eine sehr schwache Aktivität auf, denn lediglich 3 Personen sharen einen Beitrag im Durchschnitt. Auch beim kommentieren sind die Fans der Grünen eher zurückhaltend. Nur 5 Personen kommentieren im Schnitt einen Beitrag. Vereinzelt gibt es auf der Seite auch Beiträge, die gar nicht kommentiert wurden.

Die SPÖ Oberösterreich hat im Monat April 2015 12 Beiträge gepostet. Davon wurde im Schnitt jeder Kommentar vierzehn Mal von den Fans kommentiert. Bis zum Erhebungszeitpunkt hatte die SPÖ 7.002 virtuelle Fans. Insgesamt klickten diese Fans 2.301 Mal im Monat April bei Beiträgen von der SPÖ auf “gefällt mir”. Das heißt pro Post im Durchschnitt 192 Personen. Besonders interessant bei dieser Analyse ist, dass die NutzerInnen einen Beitrag dreiunddreißigmal weitergeteilt haben. So kann die SPÖ Oberösterreich einen erweiterten Personenkreis ohne zusätzlichen Aufwand erreichen. Am höchsten ist die prozentuale Aktivität der NutzerInnen bei den Likes pro Post. Sie liegt bei 2,74%. Interessant ist auch noch, dass jener Beitrag mit den meisten Likes, nämlich 357, auch zweihundertmal von den Fans geteilt wurde. Generell ist zu erkennen, dass Beiträge mit einer hohen “sharing” Zahl ebenfalls eine hohe “like” Zahl aufweisen.
Die Engagement Rate der SPÖ Oberösterreich liegt bei 3,42%.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass jene Partei, die zum damaligen Zeitpunkt in vielen Regierungsebenen vertreten war mehr aktive Fans vorweisen konnte, obwohl die Gesamtzahl der Fans geringer war. Auf der SPÖ Seite konnte man einen demokratischen Prozess beobachten. Hier diskutierten die UserInnen unter veröffentlichten Beiträgen miteinander, sei es für oder gegen die Partei bzw. eines Beitrages. Es wurde der Zweck des freien Meinungsaustausches sehr stark gefördert. Wobei an der Auswertung sehr schön zu sehen war, dass diese Interaktion sehr stark von den Fans ausging, da die Grünen oft ähnliche Themen gepostet haben und hier die Fans kaum interagierten.
Abschließend kann gesagt werden, dass das Internet es auf jeden Fall einfacher macht seine politische Meinung zu äußern. Ich denke, dass Facebook vor allem die Meinungsbildung und den Austausch fördern kann.