Im Rahmen des Into The Web-Journals 2017 durfte ich mich mit Social Media Content und in welcher Form dieser auf die UserInnen einrieselt, beschäftigen. Hier ist eine Kurzfassung davon zu lesen.

 

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Bewegte Bilder im Social Web

 

Dass sich die Medienlandschaft im ständigen Wandel befindet, ist uns allen wohl bekannt. Immer mehr Menschen nutzen täglich das Internet und soziale Medien.

 

Immer mehr Menschen nutzen täglich das Internet und soziale Medien erlangen neben den „traditionellen“ einen immer höheren Stellenwert. Doch hier vollzieht sich nicht nur eine allgemeine Wende in Richtung des Webs, auch innerhalb der sozialen Netzwerke selbst werden Veränderungen sichtbar: Während YouTube sich bereits von Beginn an darauf spezialisiert hat, erscheinen nun auf ursprünglich eher foto- und textbasierten Netzwerken wie Facebook, Instagram und Twitter immer häufiger Videos auf der Bildfläche. Kaum jemand scrollt noch über seine Facebook-Startseite ohne dabei auf bewegte Bilder zu stoßen, sie haben sich bereits zum integralen Bestandteil von Onlineangeboten entwickelt. Doch warum ist das so? Hat sich diese Entwicklung vielleicht schon viel länger vorhersagen lassen? Und wie nutzen Unternehmen dieses Wissen?

Ein Wandel hin zum bewegten Bild, das uns mehr Informationen liefert, ist geschichtlich betrachtet nichts Neues. Walter Benjamin beschäftigte sich 1936 in seiner Abhandlung „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ mit unterschiedlichen Medien und ihrer Entwicklung. Auch wenn die Veröffentlichung mehr als 80 Jahre zurückliegt und dabei noch keine Rede vom Web sein konnte, bemerkte er schon damals Phänomene, die sich heute zu wiederholen scheinen: Die Reproduktion an Informationen für eine breitere Masse wurde zunächst im Bereich der Schrift durch den Buchdruck ermöglicht. Im 20. Jahrhundert wurde durch den Offsetdruck auch für das Bild eine Möglichkeit der schnellen Verbreitung gefunden. In weiterer Folge eroberte schließlich der Film (später in Verbindung mit Ton) die Herzen der Menschen. Diese immer wiederkehrende Erweiterung der von uns produzierten Informationsangebote durch „neue“, komplexere Medienformate beruht auf dem Wunsch, technische und informative Effizienz zu steigern. Wir möchten kompliziertere Inhalte einfacher und schneller erhalten und verteilen können. Dies erklärt auch die rasante Entwicklung in den sozialen Medien: Trotz ihres kurzen Bestehens werden die Technologien laufend verbessert und der Content verändert sich: weniger lange Texte, dafür mehr bewegte Bilder.

Aus diesen Gründen hat sich auch für diesen Bereich ein darauf spezialisiertes Content-Marketing entwickelt, das versucht Trends einzufangen und sie gewinnbringend einzusetzen. Im Jahr 2016 hat sich die Anzahl der Video-Posts pro Person weltweit um 75 Prozent erhöht und natürlich lassen solche Entwicklungen nicht nur Einzelpersonen, sondern auch Unternehmen darüber nachdenken, wie eigener Content in Form von Videos produziert und geteilt werden kann.

Soziale Medien beschleunigen diesen Prozess noch mehr. Sie setzen Prozesse in Gang, durch die „jeder zum Fachmann seiner eigenen – und sei es noch so geringen – Verrichtung“ wird, wie Benjamin sagt. Dies führt zu einer immer unüberschaubareren Menge an zum Teil unzuverlässiger oder unprofessioneller Information. Oft wird der Content nur um des Produzieren-Willens erstellt, was er wirklich beinhaltet, bleibt zweitrangig. Auch heute könnte man konstatieren, dass es relativ wenige, skeptische oder hinterfragende Beiträge, dafür aber eine große Menge an eher oberflächlicher und banaler Information gibt. Man kann dies bestens auf Youtube beobachten, wo alleine in einer Stunde 18.000 Stunden Videomaterial hochgeladen wird. Das meist geklickte Video eines Privatnutzers ist „Charlie bit my finger“, bei dem man 50 Sekunden bestaunen kann, wie ein Junge seinem älteren Bruder in den Finger beißt. Dies ist nur eines von Millionen Beispielen, die zeigen, dass bewegte Bilder – sehr zum Leidwesen Walter Benjamins – nicht immer auf skeptischen und hinterfragenden Beiträgen aufgebaut sind. Klicks oder Likes können mit Entertainment genauso, oder sogar viel leichter, gewonnen werden.

Wiederholt sich hier die mediengeschichtliche Nutzung? Liegt es quasi in der Natur des Menschen, sich nach immer mehr Informationen und komprimierten Inhalten zu sehnen, ohne dabei die kritische Auseinandersetzung zu suchen?

 

Der gesamte Artikel samt redaktionellem Fazit ist hier zu lesen.