Hier finden Sie eine Kurzfassung der Studie „Lebens- und Arbeitssituation von Comic-ZeichnerInnen und IllustratorInnen im deutschsprachigen Raum“. Diese wurde im Rahmen der LVA Online Forschung (Johannes Kepler Universität) durchgeführt.

 

 

Die Lebenssituation von Comic-ZeichnerInnen und IllustratorInnen wurde in der Forschung bisher kaum beachtet. Die hier dargelegte Zusammenfassung einer Studie beschäftigt sich mit dieser Branche, insbesondere mit der allgemeinen Lebenszufriedenheit von Comic-ZeichnerInnen und IllustratorInnen. Im Fokus steht dabei der Einfluss des finanziellen Erfolgs. In einer Online-Umfrage mit n = 109 TeilnehmerInnen wurden zudem die Big-Five-Persönlichkeitsmerkmale sowie Selbsteinschätzungen der KünstlerInnen und ihrer Branche erfasst. Dabei stellte sich heraus, dass die allgemeine Lebenszufriedenheit der Comic-ZeichnerInnen und IllustratorInnen positiv mit finanziellem Erfolg korreliert. Ebenso tragen das soziale Ansehen, ein höheres Alter sowie gewonnene Preise und Ehrungen zu einer größeren Zufriedenheit bei. Neurotizismus korreliert hingegen negativ mit der Lebenszufriedenheit der KünstlerInnen.

 

Forschungsstand und Motivation

Für 130 Dollar verkauften die Superman-Schöpfer Jerry Siegel und Joe Shuster einst die Rechte an der Figur, welche später für die Identität der USA und der internationalen Comicszene unbezahlbar werden sollte (vgl. Pannor, 2008). Allein der letzte Supermanfilm generierte weltweit 874 Mio. Dollar an Einspielergebnissen. Siegels und Schusters Familien stritten mit den Verlagen über Jahrzehnte um das viele Geld, dass der „Man of Steel“ lukrierte. Das führt zur Frage, warum Siegel/Schuster die Rechte für den Mann im roten Cape überhaupt so preiswert verkauften? War dies womöglich auf das ökonomische Prekariat der Künstlerszene zurückzuführen?

Im Mai 2014 beklagten sich der französische Comic-Zeichner Bruno Maïorana und der Szenarist Frank Bonifay über das Dumping in der Comicszene, welches die gesamte Branche ins Prekariat dränge. Dabei ging es auch um überzogene Ansprüche von Verlegern, um geplatzte Aufträge und die schlechte wirtschaftliche Allgemeinsituation. Das alles führt zu dem Gedanken, dass ComiczeichnerInnen und IllustratorInnen in einem Wechselspiel zwischen kreativer Freiheit und ökonomischem Prekariat festzustecken scheinen. Diese Studie beschäftigt sich mit der bisher kaum erforschten Lebens- und Arbeitssituation von Comic-ZeichnerInnen und IllustratorInnen. Dabei gilt es zu eruieren, wie sich die Berufsgruppe der Comic-ZeichnerInnen und IllustratorInnen vordergründig auszeichnet.

Wie stark ist die Lebenszufriedenheit dieser Berufsgruppe davon abhängig, wie finanziell erfolgreich sie mit ihrem Schaffen sind?

Inwiefern spielen Persönlichkeitsmerkmale eine Rolle, wenn es um die allgemeine Zufriedenheit geht?

Spielt es eine Rolle, ob der Job als Comic-ZeichnerIn/IllustratorIn haupt- oder nebenberuflich ausgeübt wird?

Die Studie wurde mittels Online-Fragebogen durchgeführt, um den Zusammenhang zwischen möglichem wirtschaftlichem Prekariat und individueller Lebenszufriedenheit der Kreativszene zu eruieren.

 

Ziel und Intention der Studie

Es sollen mögliche Interdependenzen zwischen den Faktoren ökonomischer Erfolg und allgemeine Lebenszufriedenheit von Comic-KünstlerInnen sowie Faktoren aufgezeigt werden, welche die Lebensbedingungen- und Situationen von KünstlerInnen und IllustratorInnen im deutschsprachigen Raum bestimmen und beeinflussen. Zu diesem Zweck wurde ein Online-Fragebogen konzipiert, der verschiedenste Lebensfacetten von Comic-KünstlerInnen erhoben und Themenschwerpunkte wie „Soziales Ansehen“, „Persönlichkeitsmerkmale“ und „ökonomischer Wohlstand“ gesetzt hat. KünstlerInnen und IllustratorInnen, die an der zentralen Online-Befragung zu ihren Lebenssituationen teilnahmen, sind auch der wesentliche Untersuchungsgegenstand dieser Studie.

 

Hypothesen und psychologisches Modell

Lebenszufriedenheit ist wohl die bisher am häufigsten untersuchte Messgröße in der Positiven Psychologie. Auch deshalb, weil sich in vielen Studien gezeigt hat, dass sie eng mit wei- teren positiven Konsequenzen (z.B. mehr Selbstwertgefühl oder Kreativität) einhergeht. Rose bezeichnet Zufriedenheit somit nicht nur als Ziel, sondern auch als Mittel; sie kann Weg und Ziel zugleich sein (vgl. Rose 2013). Asendorpf verweist auf die Theorie, dass Lebenszufriedenheit in individualistischen Kulturen stark vom individuellen Wohlergehen abhängt und bezieht sich auf eine Studie von Diener et al. (1995) in der die Lebenszufriedenheit in 55 Kulturen auf Basis von Befragungen repräsentativer Stichprobengröße beruhte. Kernkomponenten waren hier der Individualismus der Kulturen, das mittlere Einkommen, Wahrung der Menschenrechte und ein Index, der die Ungleichheit in Bezug auf Einkommen, Lebenserwartung und Geschlecht berücksichtigt. Die Lebenszufriedenheit korrelierte positiv mit Gleichheit und Wahrung der Menschenrechte (jeweils .48) und Einkommen (.59), mit Abstand am höchsten aber mit Individualismus (.77) (vgl. Asendorpf, 2005). Für den Beruf der Comic-ZeichnerInnen und IllustratorInnen sind die Aspekte Einkommen und Individualismus von Bedeutung. Was das Einkommen betrifft, führt dies zu folgenden Hypothese:

Finanzieller Erfolg der Comic-ZeichnerInnen / IllustratorInnen hat einen positiv gerichteten Einfluss auf die allgemeine Lebenszufriedenheit. (H1)

Da der finanzielle Erfolg nicht unbedingt mit dem Künstlerberuf zusammenhängen muss, ergibt dies eine weitere Hypothese:

Der Zusammenhang von finanziellem Erfolg und Lebenszufriedenheit ist stärker, wenn der Beruf als Comic-ZeichnerIn/IllustratorIn hauptberuflich ausgeführt wird. (H2)

Der Zusammenhang von finanziellem Erfolg und Lebenszufriedenheit hängt jedoch maßgeblich vom genannten Individualismus ab. Dazu sind die Begriffe Neurotizismus und Gewissenhaftigkeit relevant. Diese sind Persönlichkeitsmerkmale und Komponenten des Big Five- Konzepts. Der Big-Five-Ansatz ist ein psychologisches Konzept zur Erfassung von Persön-lichkeit. Persönlichkeit wird definiert als „Inbegriff der individuellen Merkmalsausprägungen eines Menschen“ (vgl. Mummendey & Grau, 2003).

Im Kern des Big Five-Ansatzes steht die zentrale Annahme, dass Persönlichkeitsunterschiede zwischen Individuen, welche sich durch Verhaltensweisen ausdrücken, auf fünf zentralen Persönlichkeitsdimensionen zurückzuführen sind. Diese lauten wie folgt: Neurotizismus (N), Extraversion (E), Offenheit für Erfahrungen (O), Verträglichkeit (V) und Gewissenhaftigkeit (G).

Diese Big Five sind individuell unterschiedlich ausgeprägt, aber – zumindest bei Menschen aus westlichen Kulturen – stets vorhanden. Sie repräsentieren individuelle Unterschiede von relativ konsistenten Strukturen von Verhalten, Gefühlen sowie Gedanken, die als psychologische Konstrukte einen wesentlichen Einfluss auf Handlungserfolge haben (vgl. Gerlitz & Schupp, 2005). Bezogen auf die Persönlichkeitsmerkmale ergibt sich folgende Hypothese:

Bei Comic-ZeichnerInnen/IllustratorInnen, die eine hohe Ausprägung in den Persönlichkeits- dimensionen Neurotizismus und Gewissenhaftigkeit aufweisen, wird der Effekt von finanziel- lem Erfolg auf die Lebenszufriedenheit gemindert. (H3)

Auch stark mit der individuellen Persönlichkeit des Künstlers bzw. der Künstlerin verbunden, ist die Frage nach der Wichtigkeit des sozialen Ansehens im Kontext von ökonomischem Erfolg. Aus einer arbeitssoziologischen Perspektive betrachtet, ist Arbeit ein Prozess, der Mitgliedern der Gesellschaft unterschiedliche Möglichkeiten in Bezug auf Einkommen, soziales Ansehen und Einflussnahme bietet. Die Faktoren prägen die Ich-Identität (vgl. Littek, 1983). Arbeit und Beruf stellen in westlichen Gesellschaften oftmals zentrale Statusmerkmale dar. Individueller Wohlstand hängt zumeist von Erwerbsarbeit ab und ist ausschlaggebend für die Lebenschancen, das Einkommen und das soziale Ansehen durch die Allgemeinheit sowie das Selbstbild Einzelner (vgl. Volpert & Luckak, 1997). Das führt zur vierten Hypothese:

Finanzieller Erfolg führt zu höherem sozialen Ansehen, was die Lebenszufriedenheit wiederum positiv beeinflusst. (H4)

Das psychologische Modell, welches die Zusammenhänge der Hypothesen darstellen soll, sieht wie folgt aus:

 

Die Annahmen zu diesem Modell beruhen auf den theoretischen Grundlagen zu der Berufsgruppe der Comic-ZeichnerInnen und IllustratorInnen und erheben nur in diesem Rahmen Anspruch auf Gültigkeit.

 

Im Modell wird davon ausgegangen, dass der finanzielle Erfolg einen Einfluss auf die Lebenszufriedenheit hat. Dieser Effekt wird moderiert von der eigenen Persönlichkeit und ob der Beruf haupt- oder nebenberuflich ausgeführt wird. Das könnte deshalb so sein, da Geld nicht für jede Person denselben Stellenwert hat, aufgrund der Persönlichkeitsmerkmale aber auch weil sie womöglich nicht so sehr davon abhängig ist, weil sie noch andere Einkünfte hat. Das soziale Ansehen übernimmt hingegen den Part als Mediator. Dahinter steckt die Überlegung, dass sich nicht der finanzielle Erfolg direkt auf die Lebenszufriedenheit auswirkt, sondern ein großer finanzieller Erfolg zu mehr sozialem Ansehen führt und dies wiederum zu einer höheren Lebenszufriedenheit. Umgekehrt würde dies ebenso bedeuten, dass finanzielle Schwierigkeiten das soziale Ansehen schwächen und damit zu geringerer Lebenszufriedenheit führen.

 

Ergebniszusammenfassung

Studien, die sich mit der Lebens- und Arbeitssituation von KünstlerInnen befassen, kommen fast immer zum Schluss, dass sich die finanzielle Lage für diese Berufsgruppe in vielen Fällen sehr schwierig gestaltet. Maximilian Norz führt als ersten Missstand in den Arbeitsbedingungen von KünstlerInnen ebenfalls die finanzielle Lage an. Besonders sind davon folgende Punkte betroffen: “Zu geringe Vergütung für die künstlerische Tätigkeit, unbezahlte Leistungserbringung [und] drohende Altersarmut” (Norz, 2016, S. 11-12). Daher sollte auch mit dieser Studie ein Schwerpunkt auf die finanzielle Situation (und spezieller auf ihren Einfluss auf Lebenszufriedenheit) gelegt werden.

Die Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass die TeilnehmerInnen dieser Stichprobe, welche sich auf die Zielgruppe der Comic-ZeichnerInnen und IllustratorInnen beschränkt, sich selbst tendenziell eher als finanziell erfolgreich einschätzen. Dies ist erstaunlich, da ältere Studien (vgl. Schulz et al., 1997) zu einem anderen Ergebnis kommen, welches zeigt, dass KünstlerInnen im Vergleich zur gesamten Gruppe der Erwerbstätigen ein Einkommen unter dem Durchschnitt verzeichnen. Dies muss allerdings relativiert werden, da in dieser Studie nicht nach dem genauen Einkommen gefragt wurde und es keinen Vergleich zu anderen Berufsgruppen und deren finanziellen Erfolg gibt. Dennoch kann festgehalten werden, dass die finanzielle Situation von den Befragten durchschnittlich besser bewertet wird, als vielleicht erwartet.

Die Studie kam außerdem zu dem Ergebnis, dass sich finanzieller Erfolg sowohl positiv auf das soziale Ansehen als auch direkt auf allgemeine Lebenszufriedenheit auswirkt (Hypothese 1 und 4). Auch Gerhard Haderer, einer der bedeutendsten Karikaturisten im deutschsprachigen Raum, welcher in einem Experten-Interview im Zuge der vorliegenden Studie befragt wurde, kann bestätigen, dass man in diesem Metier finanziellen Erfolg braucht, um zufrieden zu sein (vgl. Haderer, 2017, Z. 19). Soziales Ansehen wiederum beeinflusst die Lebenszufriedenheit auch positiv, wodurch sich festhalten lässt, dass finanziell erfolgreiche und sozial angesehene ZeichnerInnen auch zufriedener sind. Ebenfalls ersichtlich wird, dass die Persönlichkeitsdimensionen oder das Arbeitsausmaß (Haupt- oder Nebenberuf) per se keinen moderierenden Einfluss auf die Wirkung von finanziellem Erfolg auf die Lebenszufriedenheit haben (Hypothese 2 und 3). Obwohl die Regressionsanalyse hier keine signifikanten Zusammenhänge ergab, konnte in der Korrelationsanalyse dennoch festgestellt werden, dass Lebenszufriedenheit und Neurotizismus negativ miteinander korrelieren. Man kann also sagen, dass Personen mit hohen Neurotizismus-Werten eher unzufrieden mit ihrer allgemeinen Lebenssituation sind, wodurch sich abzeichnet, dass Persönlichkeitsfaktoren in dieser Frage doch eine Rolle spielen können.

Die Ergebnisse der vorliegenden Studie haben auch gezeigt, dass beinahe die Hälfte der ProbandInnen selbst bereits einen oder mehrere Preise, Auszeichnungen und Ehrungen gewonnen haben, weshalb vermutet werden kann, dass sich in der Stichprobe einige Personen befinden, die sich in dieser Szene bereits etabliert haben. Dies erklärt möglicherweise auch, weshalb in der Stichprobe ein Schwerpunkt hinsichtlich einem sozial höheren Ansehen der Personen verzeichnet werden kann und sie sich tendenziell finanziell erfolgreicher einschätzen.

In Anbetracht des finanziellen Erfolgs und der Personen, die bereits Preise/Auszeichnungen und Ehrungen gewonnen haben, zeigt sich in der Vergütung der beiden Beispiel-Illustrationen allerdings ein teilweise widersprüchliches Bild, da ein beinahe gleich großer Teil der ProbandInnen für die Vergütung der beiden Beispiel-Illustrationen weniger als den durchschnittlichen Vergütungsbetrag und damit weniger als ein/e “typische/r KünstlerIn” verrechnen würde. Man könnte zum Beispiel davon ausgehen, dass jene IllustratorInnen/ComiczeichnerInnen, die eine Plusdifferenz haben, ihre Werke deshalb “unter ihrem Wert” verkaufen, weilsie sich selbst noch nicht als so erfolgreich einstufen und vermutlich weniger bekannt sind. Es zeigt sich tatsächlich, dass die Differenz-Gruppen signifikant (p < 0.005) mit dem finanziellen Erfolg korrelieren: Finanziell erfolgreichere Personen haben eher Minusdifferenzen bei den Vergütungsbeispielen angegeben, sprich sie würden selbst mehr für das Werk verlangen als “durchschnittliche” ZeichnerInnen. Auch andere Studien erkennen einen starken Zusammenhang zwischen dem finanziellen Erfolg und der Etablierung von KünstlerInnen (vgl. Schelepa et al., 2008). Doch Erfolg scheint nicht immer das ausschlaggebende Maß bei der Berechnung von Werken zu sein, wie auch Gerhard Haderer, zu seiner persönlichen Situation festhält: “Vom ersten Blatt weg habe ich immer Honorare akzeptiert, die mir angeboten wurden, ich habe niemals lizitiert, das ist auch heute noch so.” (Haderer, 2017, Z.10).

Interessanterweise lassen sich in diesem Zusammenhang auch Geschlechterunterschiede feststellen: Je eher der/die Befragte eine Plusdifferenz hat, das heißt er/sie würde sein/ihr Werk günstiger hergeben, desto eher ist diese Person eine Frau (p < 0.005). Dieses Ergebnis zeigt, dass weibliche Personen den Grad der eigenen Etablierung in dieser Szene kritischer einschätzen, als ihre männlichen KollegInnen, wie auch in einer anderen Studie bereits verdeutlicht wurde (vgl. Schelepa et al., 2008). Es konnte aber kein signifikanter Zusammenhang zwischen Geschlecht und finanziellem Erfolg gemessen werden. Frauen sind also finanziell nicht weniger erfolgreich als Männer, würden ihre Illustrationen aber dennoch günstiger verkaufen.

Generell gesprochen ist der finanzielle Erfolg natürlich nicht als ausschließliches Kriterium für ein erfülltes Leben anzusehen. Dies ging auch im Interview mit Gerhard Haderer hervor: “Das Zeichnen ist für mich ein wichtiger Teil meiner Lebensführung. Wenn man sich für die Vorgänge in unserer Gesellschaft interessiert und Menschen genau beobachtet, dann wird der Druck im Hirn manchmal so groß, dass es ein Ventil braucht, um Dampf abzulassen. Dieses Ventil ist für mich die Kunst.” (Haderer, 2017, Z.21).

 

Implikationen für die Praxis

Die vorliegenden Ergebnisse legen nahe, dass es generell eher schwieriger ist, Determinanten für die Lebenszufriedenheit von  Comic-ZeichnerInnen und IllustratorInnen zu definieren. Nichtsdestotrotz kann die Studie aufzeigen, dass finanzieller Erfolg und soziales Ansehen einen signifikanten Einfluss auf die allgemeine Lebenszufriedenheit haben. Gerhard Haderer antwortete zum Beispiel auf die Frage, ob es jemals den Moment gab, an dem er das Gefühl hatte, es geschafft zu haben: “Ja, das war kurz nach meinem Beginn als Karikaturist, als andere immer wieder meinten, ich hätte es geschafft. Im Ernst: Wenn man eine Familie mit vier Kindern erhalten kann und das obendrein noch mit Freude an seiner Tätigkeit, dann ist das für mich purer Luxus.” (Haderer, 2017, Z.16). Auch hier verdeutlicht sich, dass die Sicherung finanzieller Bedürfnisse sehr ausschlaggebend für ein zufriedenes Allgemeingefühl ist.

Doch “finanzieller Erfolg” ist leider kein Zauberwort, das man spricht und schon ist man zufriedener. Die Praxis zeigt, dass Finanzen gerade in künstlerischen Berufen eine sehr heikle Angelegenheit sind, da das Honorar für eine Illustration selbst berechnet werden muss. Ist man zu hoch, kann man sie vielleicht nicht verkaufen, ist die Berechnung zu niedrig, wird man finanziell gesehen irgendwann vermutlich Schwierigkeiten bekommen. Diese Problematik wird auch ersichtlich, wenn man verschiedene “Ratgeber” zu diesem Thema für die Berufsgruppe liest: “Angemessene Bezahlung, die den Wert der kreativen Leistung honoriert, steht auf der Wunschliste Kreativer an ihre KundInnen ganz oben. Für ihren Preis sind Kreative allerdings letztlich selbst verantwortlich. Vor allem frische GründerInnen mit wenig Erfahrung laufen Gefahr, ihre Leistungen zu billig anzubieten. Werden Kreative von KundInnen mit Dumping-Vergleichsangeboten konfrontiert, gilt es, den Preis zu argumentieren.” (Reitmeier, 2013, S. 58). In eben solchen Schriften oder Foren (wie auch auf der Website der Illustratoren Organisation E.V.) werden Beispiel-Vergütungen vorgerechnet, um es vor allem EinsteigerInnen leichter zu machen. Neben diesem finanziellen Aspekt kann Gerhard Haderer jungen Comic-ZeichnerInnen und IllustratorInnen vor allem folgendes empfehlen: “Ihr künstlerisches Talent nicht für gut bezahlte Auftragsarbeiten zu vergeuden, sondern eine Sprache zu entwickeln, die andere Menschen berührt. Denn Kunst kann dazu beitragen, unsere Welt zu verbessern” (Haderer, 2017, Z.32).

 

Literatur

Asendorpf, J. B. (2005). Psychologie der Persönlichkeit. 3. Auflage. Berlin: Springer Verlag. Batinic, B. (2003). Internetbasierte Befragungsverfahren, ÖZS 28. Jg.

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Der Tagesspiegel (2016). Max-und-Moritz-Preis – das sind die Finalisten. URL: http://www.tagesspiegel.de/kultur/comics/internationaler-comic-salon-erlangen-max-und- moritz-preis-das-sind-die-finalisten/13496242.html (2017-02-06).

Gerlitz, J-Y. & Schupp, J. (2005). Zur Erhebung der Big-Five-basierten Persönlichkeitsmerk- male im SOEP. Berlin: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung.

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Illustratoren Organisation E.V. (o.J.). Vergütungsbeispiele. URL: http://www.io- home.org/leistungen/honorarfragen/grundlagen_verguetung/index_html (2016-11-10).

Lang, D. (2009). Soziale Kompetenz und Persönlichkeit. Zusammenhänge zwischen sozialer Kompetenz und den Big Five der Persönlichkeit bei jungen Erwachsenen (Psychologie, Bd. 61). Landau: Verlag Empirische Pädagogik.

Littek, W. & Rammert, W. & Wachtler, G. (1983): Einführung in die Arbeits- und Industrie- soziologie. Frankfurt / New York: Campus.

Mummendey, H. D. & Grau, I. (2003). Die Fragebogen-Methode. Göttingen: Hogrefe Verlag.

Norz, M. (2016). Faire Arbeitsbedingungen in den darstellenden Künsten und in der Musik?!Eine Untersuchung zu Arbeitsbedingungen, Missständen sowie Vorschlägen, die zu besse- ren Arbeitsbedingungen beitragen können. Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung.

Pannor, S. (2008). Supermans späte Rache. URL: www.spiegel.de/kultur/literatur/streit-um- comic-rechte-supermans-spaete-rache-a-544642.html (2017-02-09).

Reitmeier, R. (2013). Das Handwerk der Kreativen. Unternehmerische Kompetenz in der Kreativwirtschaft. Wien: Creativ Wirtschaft Austria.

Rose, N. (2013). Lizenz zur Zufriedenheit. Lebensziele verwirklichen. Positive Psychologie in der Praxis. Paderborn: Junfermann Verlag.

Schelepa, S. & Wetzel, P. & Wohlfahrt, G. & Mostetschnig, A. (2008). Zur sozialen Lage der Künstler und Künstlerinnen in Österreich. Wien: L & R Sozialforschung.

Schulz, W. & Pichler, F. (2005). Lebensqualität in Österreich – ein 20-Jahres Vergleich. In: W. Schulz, H. Max, & A. Grausgruber (Hrsg.), Österreich zur Jahrhundertwende. Gesell- schaftliche Werthaltungen und Lebensqualität 1986-2004 (S. 75-113). Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften.

Schupp, J. & Gerlitz, J.-Y. (2014). Big Five Inventory-SOEP (BFI-S). Zusammenstellung so- zialwissenschaftlicher Items und Skalen. URL: http://zis.gesis.org/skala/Schupp-Gerlitz- Big-Five-Inventory-SOEP-(BFI-S) (2017-02-06).

Thielsch, M. T. & Weltzin, S. (2009). Online-Befragungen in der Praxis. In: Brandenburg, T. & Thielsch, M. T.: Praxis der Wirtschaftspsychologie. Münster: MV Wissenschaft. URL: http://www.thielsch.org/download/thielsch_2009_onlinebefragungen.pdf (2017-02-09).

Volpert, W. & Luckak, H. (Hrsg.) (1997). Handbuch Arbeitswissenschaft. Stuttgart: Schäffer- Poeschel Verlag.

 

Wer den ganzen Ergebnisbericht samt empirischer Auswertung lesen möchte, findet diesen hier.