Asylarbeit.at

Kampagne zur Reflexion von Ansichten

 Projektbericht

 

Projektlaufzeit:
Oktober 2015 – April 2016

Projektmitglieder:
Sarah Hinterreiter
Tobias Högg
Marion Kitzberger
Malgorzata Skoczynska

Lehrveranstaltungen:
Methoden für interdisziplinäre Projekte I
Methoden für interdisziplinäre Projekte II
PR Interdisziplinäres Projektpraktikum

 

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Kurzbeschreibung

Die Flüchtlingsthematik spaltet Europa – Von der Willkommenskultur bis hin zum Fremdenhass ist das Internet das wichtigste Medium der Bevölkerung für Meinungsbildung und Kommunikation zum Thema. Das Projekt Asylarbeit.at setzt sich zum Ziel die Besucher/innen einer fiktiven Jobvermittlungsplattform mit eigenen bewussten und unbewussten Erwartungen und Vorurteilen gegenüber Schutzsuchenden zu konfrontieren. Die Klassifizierung der auf der Plattform präsenten Asylwerber/innen nach Kriterien wie Religion und Herkunft, verstärkt sich in der wirtschaftlichen Perspektive zu einer Objektivierung, welche die Textbotschaften in einen beklemmenden Kontrast setzen.

Als weiterführendes Forschungsprojekt werden Interaktionen und Besucher/innenströme ausgewertet und zu Besucher/innenprofilen aggregiert, welche Rückschluss auf die allgemeine Stimmung der Bevölkerung zur Thematik der Asylwerber/innen geben sollen.

Ideenentwicklung

Unser Projekt bezieht sich auf aktuelle Flüchtlingsthematik. Im Zuge der Ideenentwicklung haben wir uns mit mehreren Asylwerbern/innen und Vertretern/innen der Betreungsorganisationen getroffen, um die Situation der Asylwerber/innen zu erkunden. Da wir auf Ignoranz und Intoleranz gegenüber Asylwerber/innen gestoßen sind, wollten wir mit unserem Projekt diese Thematik ansprechen.

Unsere Idee war es, eine OnlineKampagne zur Reflexion von Einstellungen, auf Basis einer Website zu entwickeln und die Reaktionen auf diese zu beobachten. Um die Besucher/innen zu motivieren, möglichst lange auf der Website zu verweilen, haben wir uns entschieden diese in einer Form der fiktiven Arbeitsvermittlungsplattform aufzubauen, um den Besuchern/innen einen (Schein-)Zweck vorzutäuschen.

Beim Erstellen der fiktiven Plattform wollten wir, dass diese möglichst professionell gestaltet wird und auch im Rahmen einer Kampagne beworben wird. Deswegen war es wichtig, dass Besucher/innen sich durch alle Seiten klicken, um zum Schluss auf eine Aufklärungsseite kommen.

Die Besucher/innen sollten dadurch den eigentlichen Zweck der Kampagne nicht sofort wahrnehmen, sondern auf eine verwirrende Weise durch speziell gestaltete Texte und Inhalte nach und nach über den realen Zweck des Projektes informiert werden.

Während der Ideenentwicklung haben wir uns auf zwei Versionen unserer Plattform entschieden. Die erste Version – A sollte die Besucher/innen mit Vorurteilen gegenüber Asylsuchenden konfrontieren, während die zweite Version – B eher den Besuchern/innen die Situation der Asylwerber/innen erklären sollte. Natürlich wollten wir auch die Besucher/innen zum Nachdenken und Kommentieren motivieren.

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Einstiegseite – Asylarbeit.at

Ziele des Projektes

Ziele des Projektes Asylarbeit.at sind die Besucher/innen der Plattform mit eigenen bewussten und unbewussten Erwartungen und Vorurteilen gegenüber Schutzsuchenden zu konfrontieren und auch die Reaktionen der Personen, die auf unsere Kampagne antworten, zu beobachten, um die allgemeine Stimmung der Bevölkerung gegenüber Asylwerber/innen zu erfahren.

Online-Kampagne

Um Besucher/innen auf die Plattform zu locken, wurde mittels Kommentaren und Verlinkungen zu asylarbeit.at auf Social-Media-Seiten geworben. Die Kampagne haben wir durch fiktive Personenprofile auf Facebook, Twitter und Onlinezeitungen durchgeführt. Erstens sollte eine gewisse Anonymität der Gruppenmitglieder/innen dieses Projektes gewährt sein und zweitens, um die Kampagne möglichst neutral und objektiv zu gestalten.

Die Plattform wurde eine Woche beworben, wobei jeden Tag auf mindestens 10 FacebookSeiten gepostet wurde und allgemein 42 Tweets veröffentlicht wurden.

Die jeweiligen Webseiten, auf denen die Plattform verlinkt wurde, haben wir auf „eher positive”, „neutrale” und „ablehnende” gegenüber Asylwerber/innen aufgeteilt, was uns zusätzliche Informationen darüber gab, durch welche Posts/Tweets/Kommentare die Besucher/innen auf unsere Plattform gelangt sind.

Analyse

Um das Besucher/innenverhalten auf der Plattform zu analysieren, wurden drei Technologie eingesetzt:- Optimizely – diente für A/B Testing, – Google Analytics – für die Untersuchung der Effizienz der Verlinkungen im Rahmen der Bewerbung und – Onlineformulare auf unserer Jobplattform – um direktes Feedback der Besucher/innen zu bekommen.

Aus dem Feedback haben wir viele interessante Benutzer/innen-Kommentare gesammelt. Wir erhielten offensives Feedback – vermutlich durch aggressive Inhalte der Version A verursacht (Bsp.1), neutrales Feedback (Bsp. 2) sowie ausführliche Kommentare (Bsp. 3). Unser Feedbackformular haben (aktueller Stand* 13.04.2016) 21 Personen ausgefüllt (geschlossene Fragen), davon erhielten wir von 9 Personen individuelles Feedback durch das Textfeld (siehe Beispiele 1-3).

Beispiele:

1 – So eine Schafscheisse kann man sich nur an einer Uni ausdenken, staatlich vollfinanziert das es raucht.

2 – Es war anhand der Startseite ganz offensichtlich, dass es sich bei dieser Seite um einen Fake handelt (u.a. da bekannt ist, dass Asylwerber/innen nicht arbeiten dürfen) – Ich habe aber rechte Propaganda hinter diese Seite vermutet.

3 – Die Idee ist sehr gut. Leider wird es glaube ich die Menschen nicht interessieren und egal ob für oder gegen Asylwerber/innen es wird nur weiter diskutiert. Im Grunde glaube ich das die Menschen die sich festigen möchten es sicher schaffen können mit Unterstützung und ich zähle mich sicher zu einem Unterstützer.

Trotz unserer Mühen, die Personen mit ablehnenden Einstellungen gegenüber Asylwerbern/innen anzusprechen, haben auf unsere Kampagne eher Personen mit “positiven” Einstellungen reagiert. Wir haben insgesamt auf 27 „eher positiven”, 24 „neutralen” und 21 „ablehnenden” Seiten gepostet, wobei aus den „positiven” und „neutralen” Seiten, jeweils 20 Personen auf unsere Seite kamen und aus „ablehnenden” 11 Personen.

Die Datenanalyse lieferte allgemeine Informationen zu Besucher/innen auf der Plattform. In dem Zeitraum von einer Woche wurde asylarbeit.at von 727 Personen besucht, wobei diese Anzahl sich auf beide Versionen (A: 356 und B: 371) ähnlich verteilte. Mehrere Kommentare konnten durch die aggressive Version generiert werden (A: von 356 Personen 3,65 % gaben Feedback, B: von 371 Personen 1,89% gaben Feedback). Auch auf dieser Version haben sich die Besucher/innen länger mit der Suche beschäftigt (A: 18,26 %; B: 14,02%).

Wir können also feststellen, dass eine aggressive Provokation zu einer angeregten Diskussion führt verglichen mit einer „sanften” Übermittlung über den aktuellen Stand der Situation der Asylwerber/innen in Österreich. Denoch kann die Provokation auch missverstanden oder als „zu schwach” wahrgenommen werden, da Menschen mit stark positivem Bild von AsylwerberInnen sich oft über deren Situation informieren. Und auf dieses Faktum freuen wir uns sehr!

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