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Psychologie

Cyberslacking – kurze Auszeit im Netz

Surfst du noch oder arbeitest du schon?

Surfen Sie während der Arbeit und haben Sie dabei Besuch von Ihrem schlechten Gewissen? Bei Thomas war das schlechte Gewissen immer ein Dauergast, wenn er im Büro kurze, private Ausflüge in die digitale Welt unternahm. Was sich daran geändert hat? Das verrät ein Blick in Thomas Tagebuch …

[aesop_timeline_stop num=“6:30″ title=“… schlechtes Gewissen am Morgen“]

 

6:30 Der Wecker vom Smartphone klingelt

6:45 Duschen, Frühstück und Nachrichten auf dem Tablet lesen

7:00 In der Straßenbahn auf dem Weg zur Arbeit, ich sollte schon längst bei meiner Ärztin anrufen, aber die hat heute wieder nur zwischen 8:00 und 15:00 Ordination. Das werde ich wohl wieder heimlich in der Arbeit machen müssen.

 

Thomas ist 34 und arbeitet als Ingenieur in einer Linzer Firma. Sein Arbeitstag beginnt um halb 8 und endet im Idealfall um 17:00, es kann aber auch 19:00 oder später werden. Öffnungszeiten oder Ordinationszeiten sind für Thomas ein heikles Thema. Meistens huscht er noch kurz vor Geschäftsschluss in den Supermarkt. Ärzte muss er grundsätzlich während der Arbeitszeit kontaktieren. Auch einen Flug hat er schon im Büro gebucht, da das Angebot nicht bis zum Abend gültig war. Thomas fühlt sich immer etwas schuldig, wenn er in der Arbeit private Dinge mit dem Smartphone oder am Firmen PC erledigt.

[aesop_character img=“http://www.webwissenschaften.at/science-room/wp-content/uploads/sites/82/2017/02/Portrait_FabiolaGattringer_web.png“ name=“Mag.a Fabiola Gattringer“ caption=“Universitätsassistentin, Institut für Pädagogik und Psychologie, Johannes Kepler Universität Linz“ align=“right“ width=“220px“ force_circle=“off“]

Mag. Fabiola Gattringer forscht an der Johannes Kepler Universität in Linz zum Thema Cyberslacking. Cyberslacking bzw. Cyberloafing beschreibt die private Internetnutzung am Arbeitsplatz. In folgendem Interview spricht sie über die positiven Merkmale von der kurzen Auszeit im Netz.

 

 

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[aesop_timeline_stop num=“8:30″ title=“… schlechtes Gewissen am Vormittag“]

 

8.30 Anruf bei der Ärztin, Termin für nächsten Freitag vereinbart.

8:32 Weiter geht’s mit dem Forschungsbericht, jetzt kann ich mich wenigstens wieder voll auf die Arbeit konzentrieren.

Thomas hätte schon vor zwei Wochen einen Arzttermin vereinbaren sollen. Es schwirrt ihm auch die ganze Zeit im Kopf herum, dass dieses To Do noch groß auf seiner Liste steht. Er muss auch während er im Büro sitzt dauernd daran denken. Aber er kann ja jetzt nicht einfach beim Arzt anrufen, wenn der Chef reinkommt, das Firmentelefon klingelt oder, oder, …

Heute hat er den Arzttermin aber endlich ausgemacht. 2 Minuten hat es nicht einmal gedauert. Danach hat er sehr produktiv an seinem Forschungsbericht gearbeitet. Seine Produktivität war viel höher als in den letzten Tagen, als ihm noch der Arzttermin im Kopf herumgeschwirrt ist.

Was ist eigentlich Cyberslacking?

[aesop_video width=“60%“ align=“center“ src=“youtube“ id=“tFAV1g49m4o“ caption=“Was ist Cyberslacking – Erklärvideo“ disable_for_mobile=“on“ loop=“on“ autoplay=“on“ controls=“on“ viewstart=“on“ viewend=“on“ revealfx=“off“]

 

 

 

[aesop_timeline_stop num=“12:00″ title=“… schlechtes Gewissen zu Mittag“]

 

12:00 Der Forschungsbericht ist fertig, einen halben Tag vor Abgabe. Damit habe ich wirklich nicht mehr gerechnet. Aber seit ich den Arzttermin ausgemacht habe, ist mein Kopf viel freier.

13:00 Mein Chef hat gerade angerufen, spontanes Meeting heute um 18:00. Ich brauche aber noch dringend Lebensmittel, weil ich ja Besuch bekomme. Zwischendurch in den Supermarkt düsen wird knapp. Dann probiere ich heute einmal den neuen Billa Onlineshop aus. Aber das muss ich ja auch wieder während der Arbeitszeit bestellen …

Thomas hat das spontane Meeting mit seinem Chef gleich bestätigt. Er ist sehr flexibel und weiß auch, dass das für seine berufliche Zukunft positiv gewertet wird. Aber er bekommt morgen Besuch von der Familie und hätte heute noch dringend einkaufen gehen sollen. Als Lösung seines Problems fällt ihm der Billa Onlineshop ein. Dort kann er sich die Lebensmittel bestellen und liefern lassen. Aber das muss er ja auch während der Arbeitszeit machen. Thomas fällt wieder ein, wie produktiver nach dem Telefonat bei seinem Arzt war und ruft die Seite des Onlineshops in seinem Browser auf.

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[aesop_timeline_stop num=“15:00″ title=“… schlechtes Gewissen am Nachmittag“]

15:00 Der Browser des Onlineshops war gesperrt. Habe die Lebensmittel jetzt über mein Smartphone bestellt. Das schlechte Gewissen hat gleich wieder angeklopft. Wenn die Seite gesperrt ist, sollte ich das sicher nicht während der Arbeitszeit tun.

17:30 Die Vorbereitungen auf den spontanen Termin habe ich rasch erledigt. Freue mich sogar schon drauf. Die Bestätigung von dem Onlineshop ist auch gekommen. So kann ich nach der Arbeit entspannt auf der Sofa liegen und muss nicht noch Tankstellenshops abklappern – juhu!

Die gesperrte Website hat Thomas wieder etwas nachdenklich gemacht, ob er wirklich seine Lebensmittelbestellung während der Arbeitszeit erledigen sollte. Aber nachdem er sich danach viel freier auf das Meeting vorbereiten konnte, ist das schlechte Gewissen gleich wieder verflogen. Woran liegt das aber, dass bestimmte Internetseiten gesperrt sind?

 

[aesop_timeline_stop num=“21:00″ title=“… schlechtes Gewissen am Abend“]

21:00 Endlich zu Hause. Das Meeting war mehr als erfolgreich und meine Bestellung ist schon im Kühlschrank verstaut. Jetzt noch gemütlich auf dem Sofa liegen und morgen wieder motiviert in den Tag starten. Da steht auch einmal kein privates To Do auf der Liste. Oder hab ich etwas vergessen? Egal – heute war ein sehr produktiver Tag, trotz (oder gerade wegen?) privaten Onlineausflügen.

23:00 Gute Nacht!

Surft das schlechte Gewissen bei Ihnen jetzt immer noch mit? Oder finden Sie sich in Thomas Geschichte wieder?

 

[aesop_quote type=“block“ background=“#282828″ text=“#ffffff“ height=“150px“ align=“center“ size=“2″ img=“http://www.webwissenschaften.at/science-room/wp-content/uploads/sites/82/2017/02/Auszeit.jpg“ quote=“Was ich mir erhoffe ist, dass den Mitarbeitern die Angst genommen wird. “ cite=“Mag. Fabiola Gattringer“ parallax=“off“ direction=“left“ revealfx=“inplace“]

 


Mehr Lesestoff zum Thema Cyberslacking:

pdf downloaden: Die Rolle von Cyberslacking im Kontext von Life-Domain-Konflikten und Telearbeit (pdf downloaden, 11 Seiten, 740 KB, Juli 2016)

König, C. J., & Caner de la Guardia, M. E. (2014). Exploring the positive side of personal internet use at work: Does it help in managing the border between work and nonwork? Computers in Human Behavior, 30, 355–360.

Clark, S. C. (2002). Communicating across the work/home border. Community, Work & Family, 5(1), 23–48.


Fotocredits: Headerbild CCO